20 Jahre Freunde der Galerie Stihl Waiblingen e.V – ein Rückblick von Hansjörg Thomae

20 Jahre Förderverein

Im Februar 2006 fanden sich im Bürgerzentrum 87 Waiblinger Kunstfreundinnen und Kunstfreunde zusammen, um einen gemeinnützigen Förderverein für die Galerie Stihl Waiblingen zu gründen.

Die von der Eva Mayr-Stihl Stiftung geförderte und vom Gemeinderat beschlossene Galerie, die sich damals noch im Bau befand, sollte möglichst breit in der Bevölkerung verankert sowie als städtisch geführte Einrichtung finanziell und ideell unterstützt werden.
(Fotos: wenn nicht anders erwähnt: Förderverein Archiv, Tom Becker)

Gelungenes und tragfähiges Konzept

Ist dies gelungen? Ist das Ausstellungskonzept „Arbeiten auf und aus Papier“ tragfähig? Dazu ein deutliches: Ja. Zwischenzeitlich ist der Förderverein auf 430 Mitglieder angewachsen. Die Galerie hat mit ihren rund 50 Ausstellungen und vielen Besucherinnen und Besuchern der Stadt als Bildungseinrichtung sehr gutgetan. Über 400.000 Euro sind als finanzielle Unterstützung geflossen, ergänzend zu den städtischen Haushaltsmitteln. Konkret: 11 Kataloge, 4 Kinderhefte, zahlreiche geförderte Veranstaltungen, Trailer zu Ausstellungen, Ausstattung (Audiosysteme) und vieles mehr.
Schon früh haben wir uns entschieden auch junge Talente aus der Kunstschule zu fördern. Bis heute haben wir 45 Stipendiatinnen und Stipendiaten mit einer Summe von insgesamt 17.000 € unterstützt. Einige davon haben einen Kreativberuf gewählt und sind künstlerisch aktiv unterwegs.
Gefördert werden auch barrierefreie Führungen, die aufwändiger, personalintensiver sind als andere Führungen.

Darüber hinaus sind die Mitglieder des Förderverein ideell als Botschafter für die Galerie aktiv und packen gegebenenfalls auch an. Die Mitglieder haben bei der Archivierung des städtischen Kunstbestands unter fachlicher Anleitung mitgewirkt, Aufsichten bei der Jubiläumsausstellung „50 Jahre Waiblinger Künstlergruppe“ gestellt, 2022 bei der Blumeninstallation von Rebecca Luise Law mit 600 Arbeitsstunden geholfen Blumen einzuflechten. Dies hat uns auch ins Fernsehen gebraucht, nämlich in die SWR-Sendung „Kunscht“. Auch wurden Faltvögel-Dekos erstellt für eine Veranstaltung der Galerie und wir übernehmen stets den Ausschank bei den Vernissagen.
Für unsere Mitglieder machen wir interessante Angebote: kostenfreie exklusive Führungen, Previews, Kunstreisen, Atelierbesuche, Vorträge, Kunsttreffs. Angeboten wurde zudem ein Film im Waiblinger Filmpalast über William Turner anlässlich der Ausstellung „Reisen mit William Turner – Meister des Lichts. Das Liber Studiorum“, mit der die Galerie 2008 an den Start ging.
Bei über 60 Kunstreisen fällt es schwer, alle angemessen darzustellen oder gar die herausragendsten auszuwählen. Die getroffene Auswahl bleibt daher zwangsläufig subjektiv.

Kunstreisen und Exkursionen sind sehr nachgefragt

Nolde Museum Seebüll 2013 (Foto D. Dunkelberg, © Nolde Stiftung Seebüll), Besuch des Museumsgartens

Im Feininger Museum 2027 in Quedlinburg – anläßlich der Ausstellung der Galerie Stihl: „Lyonel Feininger. Zwischen den Welten“

Ideal ist eine Kunstreise, die sich am aktuellen Ausstellungsprogramm der Galerie orientiert. Unsere oft mehrtägigen Kunstreisen führten uns von Nord (Nolde-Museum, Seebühl. Anlass Ausstellung 2013) nach Süd (Ernst-Ludwig Kirchner Museum, Davos. Anlass Ausstellung 2010 ); von Ost (Museum Lyonel Feininger, Quedlinburg. Anlass Ausstellung 2017 und Kooperationspartner ) nach West (Centre Pompidou, Metz. Dort sahen wir Arbeiten des japanischen Stararchitekten Shigeru Ban, der bei unserer Ausstellung 2010 „Leben im Karton“ ausstellte).

Nehmen wir doch mal die Ausstellung 2017 „Lyonel Feininger-Zwischen den Welten“. Diese fand in Kooperation mit dem Düsseldorfer Kunstpalast statt. Wir finanzierten den Katalog und waren natürlich auch vor Ort in der NRW-Landeshauptstadt. Damit nicht genug, wir waren auf den Spuren von Feininger, haben u.a. die von ihm gemalte Kirche in Gelmeroda besucht und waren im Feininger Museum in Quedlinburg. Ergänzend dazu fand auch eine Zusammenkunft mit den dortigen Museumsfreunden statt.

2017 Zwischenstopp vor Quedlinburg: die von Feininger gemalte Kirche in Gelmeroda. (Foto nachts als Lichtskulptur von Candy Welz © Weimar GmbH, Foto tags von Henry Sowinski © Weimar GmbH)

Die Ausstellung Lyonel Feininger in der Galerie Stihl 2017 wurde in Kooperation mit der Graphischen Sammlung des Museum Kunstpalast, Düsseldorf, realisiert. Die Schau beinhaltete mehr als 90 grafische Arbeiten von Feininger.

2017 Führung in der Fachwerkstadt Quedlinburg mit dem Waiblinger Fachwerkspezialisten Kurt-Christian Ehinger und einem Kollegen vor Ort

Kunstreise 2022 nach Saarbrücken und Metz: Dieses Gebäude des Centre Pompidou in Metz wurde von Shigeru Ban entworfen

Atelierbesuche regional und überregional

Dann haben wir zahlreiche interessante Einblicke bei Atelierbesuchen erlebt: Zirkelbach, Bross, Brixy, Thitz, Nuss, Oppenländer, Schützenberger, Welker, Traub, Geiger, Neumann, die Stuttgarter Wagenhallen, den Malsaal des Stuttgarter Staatstheater.

2023 im Atelier Brixy mit Dietmar Brixy in Mannheim-Neckarau

2017 im Atelier Thitz in Winterbach

2016 Atelier Traub in Schorndorf

2022 in den Wagenhallen geführt von Frau Sylvia Winkler, Blick auf eine Automobilskulptur von Stefan Rohrer

2010 bei Sibylle Bross und 2012 bei Jan Welker

Besuch des Malsaals und Oper der Staatstheater Stuttgart 2024 mit der Produktionsleiterin Lisa Fuß

Skulpturenaktion 2020 – der Herstellungsprozess

Dabei war sicherlich unsere Skulpturenaktion 2020 ein Highlight. Angeregt durch einen Vortrag vom Kunsthistoriker Markus Golser wollten wir erfahren, wie eine Skulptur entsteht. Bei einem Atelierbesuch bei Professor Karl Ulrich Nuss konnten wir ihm über die Schulter schauen und miterleben, wie aus einer ersten Zeichnung ein Drahtgestell entstand, das anschließend mit Ton modelliert wurde. Dann ging es zum Formenbauer Traub in Strümpfelbach und danach in die Kunstgießerei Strassacker nach Süßen. Deutlich dabei wurde, welche umfangreichen, aufwändigen Arbeitsschritte vom Entwurf bis hin zur fertigen Skulptur zu bewältigen sind.

2021 Markus Golser vermittelte uns kunsthistorische Theorie und verband diese mit einer Besichtigungstour durch Stuttgart

2021 Markus Golser referierte über Skulpturen im öffentlichen Raum

2020 Atelierbesuch bei Professor Karl Ulrich Nuss, der uns umfassende Einblicke in seine Arbeit als Bildhauer und in die Entstehung seiner Bronzeskulpturen gewährte

2020 Besuch beim Formenbauer Johannes Traub in Strümpfelbach, der spezialisiert ist auf Silikonformen und Kunstguss. Hier ist auch das Lager der Formen von Karl Ulrich Nuss

2020 in der Kunstgießerei Strassacker in Süßen

Skulpturen von Karl Ulrich Nuss – Blick in den Ateliergarten 2020

Thema Kunst in Waiblingen und Umgebung

Aber auch die Waiblinger Kunst war im Blickfeld. Die Waiblinger Künstlerin Luise Deicher war eine Schülerin von Professor Adolf Hölzel. Ein Grund das Hölzel-Haus mit Atelier in Degerloch zu besuchen.
Die Installation auf dem Rathausplatz von Richard Deacon motivierte uns zur Fahrt zu einer Ausstellung über Deacon in die Galerie Vogelmann nach Heilbronn. Auch das Atelier Max Ackermann war uns einen Besuch wert, er gestaltete die „Waiblinger Wegzeichen“ am Waiblinger Bahnhof.
Die schwierige Zeit während Corona haben wir mit Besichtigungen im öffentlichen Raum überbrückt: Der örtliche Talauekunstweg, der Skulpturenpfad die Korber Köpfe und den Besinnungsweg in Oeffingen. So konnten wir trotz der durch die Pandemie bedingten Abstandsvorschriften eine besondere Nähe zur Kunst erleben.

2013 Besuch im Skulpturenpark von Lutz Ackermann und Blick auf „Waiblinger Wegzeichen“ am Bahnhof.

Auf den Spuren von Luise Deicher im Hölzel-Haus 2025

Deacon in Waiblingen und in 2018 in Heilbronn (Galerie Vogelmann)

2020 Talaue Kunstweg während der Pandemiezeit

2020 Rundgang auf dem Besinnungsweg während der Pandemiezeit. Von links nach rechts: Das Fabeltier „Freiheit“ von Henk Visch, „Freizeit/Muße“ von INGES IDEE, ein Teilsegment von der Installation „Frieden“ von Dani Karavan

2020 Ausflug zum Skulpturenpfad am Korber Kopf während der Pandemiezeit. Von links nach rechts: Eine Skulptur gestaltet von der freien Walddorfschule Engelberg, Zwiegespräch von Uli Gsell, eine Holzskulptur von Wolfgang Thiel

Der Förderverein ist zudem in der Öffentlichkeit präsent – etwa durch Hinweise auf Bannern, Plakaten und der eigenen Homepage sowie durch Veranstaltungen im Begleitprogramm zu Ausstellungen. Im Rahmen der Ausstellung „Cover Art“ mit künstlerischen Plattencovers haben wir in Kooperation mit dem Filmclub den Film „Wie kommt die Platte ins Cover“ produziert. Dabei begleiteten wir den Jazzpreisträger Christoph Neuhaus von der musikalischen Komposition über das Aufnahmestudio bis hin zum Plattenpresswerk. Ein Film, der bei den Amateurfilmtagen sogar einen 2. Preis errang. Darüber hinaus präsentierten wir in der Kun
stschule eine Ausstellung mit den Covermotiven von Lieblingsschallplatten Waiblinger Bürgerinnen und Bürger sowie den Geschichten dahinter. Die Ausstellung fand großen Anklang und wurde aufgrund des positiven Echos sogar verlängert. Ein Konzert im ausverkauften Bürgerzentrum im Rahmen der Ausstellung 2024 Volker Kriegel „Ja was denn?! Musiker, Zeichner, Autor“ zu Ehren von Volker Kriegel war rasch ausverkauft. Spitzenmusiker begeisterten das Publikum.
Jüngst haben wir – während der Bauphase in der Galerie – eine Vortragsreihe „Papier ist (un)geduldig“ zum Thema Papier angeboten. Weiter wurde die viel beachtete Installation von Angela Glajcar in der Michaelskirche gezeigt. Dies bleibt ein unvergessenes Highlight.
Viele Kunstreisen, Atelierbesuche, Vorträge haben wir erfolgreich umgesetzt. Und die Ideen werden uns nicht ausgehen.
Wichtig aber bleibt unser Ziel, die Förderung der Galerie. Mit der Unterstützung unserer Mitglieder und Spender werden wir auch in den kommenden Jahren einen wichtigen Beitrag für die Galerie und das kulturelle Leben in Waiblingen leisten können. Dafür danken wir ihnen schon heute sehr herzlich.

2022 Filmprojekt im Rahmen der „Cover Art“-Ausstellung und die Schau der Waiblinger „Lieblingscover“

2024 das „In Memoriam Volker Kriegel“- Konzert (Fotos: Peter Oppenländer)

2024 Herbstfestival „Papier ist (un)geduldig“ mit einer Papierskulptur der Künstlerin Angela Glajcar in der Michaelskirche