Für den Förderverein:

Exklusive Mitglieder-Führung 2. Stipendium Zeichnung & Papierkunst

Wandobjekt Angela Glajcar – Foto: Hansjörg Thomae

War es die sommerliche Hitze oder der ungewohnte Beginn der Führung um 19 Uhr? Jedenfalls fanden sich an diesem Dienstagabend am 28.7.2026 (nur)14 Freundinnen und Freunde zu der Führung mit Dr. Anja Gerdemann in der Galerie Stihl Waiblingen ein. Eher verwunderlich, da bei der sehr gut besuchten Vernissage noch keine grundlegenden Informationen zu den Kunstobjekten vermittelt werden konnten. Nach der Begrüßung durch Vorstandmitglied Dr. Frank Scholl begann der Rundgang im Eingangsbereich der Galerie, wo ein erster Überblick über alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler sowie ihre Arbeiten vermittelt wird.

 

Vielleicht war die kleine Teilnehmerzahl sogar ein Glücksfall. So konnten wir den Ausführungen und Erläuterungen von Frau Dr. Gerdemann besonders aufmerksam und in einer fast persönlichen Atmosphäre folgen.
Zu Beginn erfuhren wir Interessantes über das Stipendienprogramm für Zeichnung und Papierkunst, das nicht hätte stattfinden können ohne den Nachlass von Renate Reichert an die Eva Mayr-Stihl Stiftung.
Eine Voraussetzung für die Teilnahme am Nachwuchsstipendium ist, dass das Kunststudium nicht länger als sieben Jahre zurückliegt. Das erklärt auch, warum Aleida van Dijk mit ihren 60 Jahren zu den Nachwuchsstipendiatinnen zählt – sie hat erst vor wenigen Jahren ihr Kunststudium abgeschlossen und arbeitet hauptberuflich als Krankenschwester.

Gemeinsam mit ihr wurden Rodrigo Arteaga aus Chile und Kuan Lin Chen aus Taiwan aus einem Kreis von 500 Bewerbern ausgewählt. Rodrigo Arteaga ist ein chilenischer bildender Künstler, der mit Papier, Zeichnung, Skulptur und raumbezogenen Installationen arbeitet. Er lebt und arbeitet derzeit in Leipzig. Kuan Lin Chen nähert sich dem Thema Papier über die Fotografie. Dafür verwendet er eine historische Linhof-Balkenkamera und arbeitet mit klassischen analogen Verfahren – von der chemischen Filmentwicklung bis zur Vergrößerung auf Fotopapier. Für ihn ist Papier weit mehr als ein Bildträger: Es ist ein Speicher von Erinnerungen.

 

Foto gehängtes Terforation-Objekt von Angela Glajcar – Foto: Irmi Gröber-Becker

Führung in der Galerie

Der Rundgang begann mit den Arbeiten der Hauptstipendiatin Angela Glajcar in der Galerie Stihl, die den Galerieraum völlig neu erfahrbar machen. Mit ihren monumentalen, von der Decke hängenden Papierarbeiten verwandelt sie den Ausstellungsraum in eine begehbare Skulptur. So großzügig und offen haben wir die Galerie selten erlebt, denn üblicherweise wird sie durch Stellwände eher kleinteilig gegliedert.

 

Erst die freie Hängung nutzt die gesamte Raumhöhe und lässt die schweren Bahnen aus Zellstoff beinahe schweben. Durch das sorgfältig gesetzte Licht verändert sich ihre Wirkung ständig: Das eigentlich weiße Papier erscheint einmal strahlend hell, dann wieder warm und fast golden. Diese eindrucksvolle Atmosphäre lässt sich eigentlich nur vor Ort erleben.

Führung im Kameralamt

Führung im Kameralamt – Foto: Hansjörg Thomae

Nach etwa 45 Minuten wechselten wir in die Galerie im Kameralamt, wo die drei Nachwuchsstipendiaten ihre während des Aufenthalts entstandenen Arbeiten präsentieren.

Zu Beginn erfuhren wir Interessantes über das Stipendienprogramm für Zeichnung und Papierkunst, das nicht hätte stattfinden können ohne den Nachlass von Renate Reichert an die Eva Mayr-Stihl Stiftung.
Eine Voraussetzung für die Teilnahme am Nachwuchsstipendium ist, dass das Kunststudium nicht länger als sieben Jahre zurückliegt. Das erklärt auch, warum Aleida van Dijk mit ihren 60 Jahren zu den Nachwuchsstipendiatinnen zählt – sie hat erst vor wenigen Jahren ihr Kunststudium abgeschlossen und arbeitet hauptberuflich als Krankenschwester.

Gemeinsam mit ihr wurden Rodrigo Arteaga aus Chile und Kuan Lin Chen aus Taiwan wurde aus einem Kreis von 500 Bewerbern ausgewählt. Rodrigo Arteaga ist ein chilenischer bildender Künstler, der mit Papier, Zeichnung, Skulptur und raumbezogenen Installationen arbeitet. Er lebt und arbeitet derzeit in Leipzig. Kuan Lin Chen nähert sich dem Thema Papier über die Fotografie. Dafür verwendet er eine historische Linhof-Balkenkamera und arbeitet mit klassischen analogen Verfahren – von der chemischen Filmentwicklung bis zur Vergrößerung auf Fotopapier. Für ihn ist Papier weit mehr als ein Bildträger: Es ist ein Speicher von Erinnerungen.

Der Rundgang begann mit den Arbeiten der Hauptstipendiatin Angela Glajcar in der Galerie Stihl, die den Galerieraum völlig neu erfahrbar machen. Mit ihren monumentalen, von der Decke hängenden Papierarbeiten verwandelt sie den Ausstellungsraum in eine begehbare Skulptur. So großzügig und offen haben wir die Galerie selten erlebt, denn üblicherweise wird sie durch Stellwände eher kleinteilig gegliedert. Erst die freie Hängung nutzt die gesamte Raumhöhe und lässt die schweren Bahnen aus Zellstoff beinahe schweben. Durch das sorgfältig gesetzte Licht verändert sich ihre Wirkung ständig: Das eigentlich weiße Papier erscheint einmal strahlend hell, dann wieder warm und fast golden. Diese eindrucksvolle Atmosphäre lässt sich eigentlich nur vor Ort erleben.

 

Gleich im Eingangsbereich begegnet man einem Wald aus Baumstämmen, den Aleida van Dijk mit Kohle auf Papier festgehalten hat. Die Künstlerin bringt darin ihre enge Verbundenheit mit der Natur zum Ausdruck. Entlang des Remsufers fertigte sie zahlreiche Skizzen an, die als Grundlage für ihre großformatigen Arbeiten dienten. Besonders eindrucksvoll wirkt der an der Fensterwand platzierte Wurzelstock, der den Dialog zwischen Natur und Ausstellungsraum verstärkt.

Kuan Lin Chen besuchte während seines Aufenthalts eine stillgelegte Papierfabrik im Schwarzwald – einen verlassenen Ort, der die Geschichte der Papierherstellung in sich trägt. Mit seiner analogen Kamera fotografierte er die verfallenen Räume, übertrug die Motive auf dort gefundenes Papier und reproduzierte sie erneut fotografisch. So verbindet er Vergangenheit und Gegenwart und macht Papier selbst zum Träger von Erinnerung. Seine Arbeiten erzählen von der Vergänglichkeit einer Industrie und von der poetischen Kraft des Materials.

Rodrigo Arteaga greift schließlich ein hochaktuelles Thema auf: die durch den Klimawandel zunehmenden Waldbrände, die aktuell nicht nur Frankreich, Spanien und Griechenland verwüstem, sondern bereits 2017 auch seine Heimat Chile verheerend getroffen haben. Aus verbranntem Papier entstehen Arbeiten, die er „Monokulturen“ nennt. Mit Hilfe eines Brennstabs zeichnet er die Silhouetten von Bäumen nach, deren Inneres leer bleibt. Diese Fehlstellen stehen für das Verschwinden des Waldes und werden zu stillen Mahnmalen für das, was unwiederbringlich verloren gegangen ist.

Nach dieser eindrucksvollen Führung verließen wir die beiden Ausstellungen mit zahlreichen neuen Eindrücken. Wieder einmal zeigte sich, wie vielfältig Papier als künstlerisches Medium sein kann – als Werkstoff, als Bildträger, als Erinnerungsspeicher und als Ausdruck aktueller gesellschaftlicher Themen.

Objekte von Aleida van Dijk – Foto: Irmi Gröber-Becker

Objekt von Rodrigo Arteaga (aus der Reihe Monokulturen) – Foto: Irmi Gröber-Becker

Vor der Fotopräsentation von Kuan Lin Chen – Foto: Hansjörg Thomae

Filmbericht zum Thema in der Reihe SWR Kultur

Am 19.7.2026 erschien in der Reihe „SWR Kultur“ ein interessante Filmbericht „Papierkunst in der Galerie Stihl Waiblingen“.