Ein sonniger Apriltag in Baden – geprägt von Anselm Kiefer, barocker Baukunst, kostbaren Kulturschätzen und Fotorealismus

Rückblick: Tagesreise Rastatt und Baden-Baden

Die Tagesfahrt mit Reisebus am 25. April 2026 führte ins Badische. Auf dem Besichtigungsprogramm standen das barocke Schloss Favorite und das Elternhaus von Anselm Kiefer, das ab 2019 umgebaut und 2025 zum Museum eingeweiht wurde. Nach einer Einkehr im Wirtshaus Hopfenschlingel erwartete die Teilnehmenden eine Führung durch die Ausstellung „60 Jahre Fotorealismus“ im Museum Frieder Burda.

1.Titelfoto: Schloss Favorite © Günther Bayerl für die SSG BaWü
2.Titelfoto: Haus Kiefer Ottersdorf April 2025 , Foto © D. BELLEBNA
3. Titelfoto: Museum Frieder Burda Foto© N. Kazakov

Ausgangspunkt für zwei Ziele: der Schlosspark

Schloss Favorite mit Parkanlage © Günther Bayerl für die SSG BaWü – Pressefoto

Zwei Ziele, ein Treffpunkt – Mit 48 Teilnehmenden an einem Vormittag sowohl Schloss Favorite als auch das Haus Kiefer in Ottersdorf zu besuchen, erforderte eine sorgfältige Organisation: Beide Museen begrenzen die Größe ihrer Besuchergruppen.…

… im Museum Haus Kiefer konnten jeweils nur zwölf Personen gleichzeitig unterwegs sein: Eine Gruppe erkundete mit Führung das Obergeschoss, die andere das Erdgeschoss. Währenddessen besuchten 24 weitere Gäste Schloss Favorite. Der Bus pendelte zwischen dem Schlosspark und dem Haus Kiefer. Die Fahrt dauerte rund 20 Minuten. Zwischen den Besichtigungen blieb Zeit zum Durchatmen: Bei Kaffee oder Tee und Kuchen verbrachten alle eine gemütliche halbe Stunde im Schlosscafé.

Foto: remsgalerie GmbH

3 Fotos von Gruppe vor historischem Wachhaus: remsgalerie GmbH

Organisatorisch hilfreich: jeder Teinehmer/ jede Teilnehmerin erhielt einen farbigen Button für die Gruppenzugehörigkeit und ein Terminkärtchen mit den Führungsterminen. Den Wow-Effekt gab es gleich am frühen Morgen…

… nur knapp zwei Autostunden von Stuttgart entfernt empfing uns Schloss Favorite in strahlendem Sonnenschein – eingebettet in einen Park und ein Gebäudeensemble, das südliches Flair ausstrahlt – der perfekte Auftakt für einen erlebnisreichen Tag. Nach der Pause im Schlosscafé machte sich die zweite, inzwischen gestärkte Gruppe zur Besichtigung auf, nun im hellen Licht der hoch stehenden Mittagssonne.

Fotos Schlosspark: remsgalerie GmbH (im Morgenlicht) und Tom Becker (in der Mittagssonne)

Schloss Favorite

Der auf dem Bild gezeigte Raum ist die Sala Terrena — auch bekannt als Gartensaal (Foto: Tom Becker. Bild freigegeben von SSG BaWü) .

Er bildet das prachtvolle, zentrale Herzstück des Schlosses Favorite in Rastatt und erstreckt sich faszinierend über mehrere Stockwerke bis hinauf zur Dachkuppel (Zitat/Quelle: SSG Bawü) .

Foto © Guenther Bayerl für die SSG BaWü – Pressefoto

Foto Tom Becker – freigegeben von der SSG BaWü

Das Schloss Favorite ist eine ehemalige Residenz der Markgrafen von Baden-Baden. Das barocke Lustschloss wurde ab 1710 im Auftrag von Franziska Sibylla Augusta von Baden-Baden nach Entwurf von Michael Ludwig Rohrer erbaut. Schloss Favorite ist ein nahezu unverändert erhaltenes Juwel …

Seine kostbare Ausstattung, seine reichhaltigen Keramik- und Glassammlungen und seine idyllische Lage machen es zu einem Gesamtkunstwerk von europäischer Bedeutung. Die Führung dort vermittelte uns viel Hintergrundwissen über Baugeschichte und vorhandene Kulturschätze. Wir erfuhren, wie ein barocker Hofalltag ausgesehen hat und besichtigten die prächtige Innenausstattung des Lustschlosses, die alle Facetten barocker Handwerkskunst zeigt: zum Beispiel farbige Scagliola-Böden und reich verzierte Stuck- und Freskendecken. Ausgestellt sind Porzellan-, Glas- und Fayence-Objekte . Zu sehen ist die weltweit größte Sammlung frühen Meißener Porzellans, so wie sie Sibylla Augusta von Baden-Baden selbst zusammengetragen hat. (Quelle: Wikipedia und https://www.schloss-favorite-rastatt.de/)

Foto Tom Becker – freigegeben von der SSG BaWü

Um alle Facetten dieses wunderschönen Schlosses kennenzulernen, sollte man es am besten selbst bei einer Führung erleben. So viel sei verraten: nicht alles war so, wie es scheint. Schon damals gehörte die große Inszenierung zum höfischen Alltag (Bilder freigegeben von SSG Bawü).

Das Schaubett diente der repräsentativen Ausstattung des Schlosses und sollte den Rang und Reichtum des Hauses Baden-Baden zeigen. Es war lediglich ein Paradebett und nicht für den alltäglichen Gebrauch bestimmt. Die Schauküche wiederum gibt Einblick in die Ausstattung und Organisation einer höfischen Küche. In ihr wurde nie gekocht! Beide Räume zeigen, wie eng im Schloss praktischer Alltag und höfische Repräsentation miteinander verbunden waren.
(Quelle: SSG BaWü).

Haus Kiefer – Aquarelle und Bücher

Haus Kiefer Ottersdorf, Foto: Driss Bellebna

Immer im Wechsel zu Schloss Favorite besuchten 24 (von 48) Teilnehmer das Haus Kiefer, das 20 Fahrtminuten entfernt war. Das Thema der Ausstellung war Aquarelle und Bücher von 1969 bis 2017. Anselm Kiefer erwarb 2019 sein ehemaliges Elternhaus in Rastatt, um es zu restaurieren und für Ausstellungen zu öffnen…

Das Haus Kiefer zeigte Aquarelle und Bücher des Künstlers, die zwischen 1969 und 2017 entstanden sind. Von Kiefer bevorzugte Themenkreise wie Mythologie, Geschichte, Landschaft, Alchemie und Literatur werden in seinen Aquarellen in kleinem Format und leuchtender Farbigkeit behandelt. Die für diese Technik erforderliche Schnelligkeit und Leichtigkeit – die jegliche Korrektur quasi unmöglich macht, bildet einen unerwarteten Kontrast zu den monumentalen, vielschichtigen Werken, die allgemein mit dem Œuvre Kiefers verbunden werden.
Ergänzt wird die Ausstellung durch Künstlerbücher, für die Kiefer ebenfalls die Aquarelltechnik verwendet hat. Bücher bilden mehr als die Hälfte seines Gesamtwerkes. Es handelt sich dabei um Unikate, die der Künstler in einer großen Bandbreite an Techniken anfertigt. (Zitat/Quelle: Pressemitteilung Haus Kiefer)

Foto: remsgalerie GmbH

Foto: Tom Becker

Foto: Tom Becker

Foto: Tom Becker

Das Gebäude wurde so zurückgebaut und eingerichtet …

… wie Kiefer es während seiner Kindheit erlebte, als er dort von 1951 bis 1957 mit seiner Familie wohnte. (Quelle/Zitat: Museum.de) Beim Blick durch die Fenster auf die Ottersdorfer Straßenkreuzung erkennt man die wiederhergestellten einfachverglasten Doppelfenster oder auch im Treppenhaus ist der Trittschutz der Stufen wie im Orginalzustand. Auch das Knarren der Dielen lässt die Atmosphäre vergangener Zeiten lebendig werden.

Beispiel für ein Aquarell, das in der Ausstellung gezeigt wurden: „Solaris“ 2015, Aquarell auf Gips auf Karton, 81 x 121 cm © Anselm Kiefer, Foto: Charles Duprat. Bild freigegegeben vom Haus Kiefer.

Zitat aus dem Ausstellungskatalog: „In dem Aquarell auf Gips Solaris (2015) kommen Kiefers Interesse für Literatur und die für sein Werk Zentrale Thematik von Erinnerung zum Tragen. Es bezieht sich auf den 1961 verfassten, fantastischen Roman „Solaris“ von Stanisław Lem. Einer der „Hauptakteure“ dieses Romans – und in Kiefers Aquarell – ist ein Ozean aus einer gallertartigen Masse, der den fiktiven Planet Solaris zu großen Teilen bedeckt und ein intelligentes Wesen zu sein scheint. Als ein neuer Forscher auf der Station des Planeten landet, erscheint dort auch dessen verstorbene Freundin Harey, für deren Suizid er sich mitschuldig fühlt. Er findet heraus, dass es sich bei ihrer Erscheinung nicht um einen Traum oder eine Wahnvorstellung handelt. Der Ozean bildet aus den mit starken Schuldgefühlen verknüpften Gedächtnisstrukturen der Forscher Kopien von Menschen und lässt sie auf der Station erscheinen.“

Hier ein Beispiel für das Buchwerk „La Belle de la Seine“ 2016, Aquarell und Bleistift auf Gips auf Karton, 18 Seiten (8 Doppelseiten, Titel- und Rückseite), 61,3 x 54,3 x 11,2 cm (geschlossen) © Anselm Kiefer, Foto: Georges Poncet. Bild freigegegeben vom Haus Kiefer.

Zitat aus dem Ausstellungskatalog: „La Belle de la Seine (2016) bezieht sich auf die Legende einer Frau, deren Leiche Ende des 19. Jahrhundert aus der Seine geborgen worden sein soll. Fasziniert von der Schönheit und dem Lächeln der jungen Unbekannten fertigte ein Angestellter der Leichenhalle einen Gipsabdruck ihres Gesichts an. Der friedliche Gesichtsausdruck der Toten gab Anlass für Spekulationen über ihre Todesumstände, die jedoch, ebenso wie ihre Identität, nie geklärt werden konnten. Von der Totenmaske wurden zahlreiche Kopien angefertigt, es entstand ein Kult um die schöne Tote, deren Abbild Schriftsteller und Künstler inspirierte. … Kiefer stellt sie in seinem Buch mal mit offenen, mal mit geschlossenen Augen dar und spielt auf die überzeugende These an, dass es sich um den Gesichtsabdruck einer Lebenden gehandelt habe. Die Unbekannte – vor Aquarell und Bleistift auf Gips dargestellt – oszilliert zwischen tot und lebendig, kann als von Wasser umspült oder auf einem Bett liegend wahrgenommen werden.“

Fotos Führung: Tom Becker

Wir möchten uns sehr bei den beiden engagierten KunstvermittlerInnen des Hauses Kiefer bedanken, die jeweils 2 mal an diesem Tag im Einsatz waren, immer mit einer Gruppe von 12 Teilnehmern. Wir erhielten von Ihnen Einblicke in Anselm Kiefers Biografie und seine besondere Beziehung zu diesem Haus. Zugleich vermittelten die Führungen auf spannende und anschauliche Weise Hintergründe zu den Themen und Motiven des Künstlers.

Fotorealismus bei Frieder Burda

Foto:© N. Kazakov für Museum Frieder Burda (Pressefoto)

Nach unserer Stärkung im Restaurant Hopfenschlingel in Rastatt erreichten wir die Ausstellung unter Zeitdruck gerade noch pünktlich. Sie erwies sich als echtes Highlight: Die Werke von Robert Bechtle, Craig Wylie, Ralph Goings, Don Eddy, Robert Cottingham, Karin Kneffel, Richard Estes, Richard McLean, Johannes Müller-Franken und vielen weiteren Künstlern waren eindrucksvoll inszeniert. Es ist schade, dass sich die Schau zum Fotorealismus aus urheberrechtlichen Gründen nicht mit Bildern illustrieren lässt. So bleibt uns nur, alle Kunstinteressierten auf einen Link zu verweisen:
Hier ist ein Beitrag des SWR mit dem Titel:
„Echter als die Wirklichkeit – warum uns Fotorealismus so catcht“ Hier kann man sich in Bild und Ton einen sehr guten Eindruck über diese Kunstrichtung verschaffen. Aber auch die Pressemitteilung des Museums Frieder Burda bietet eine sehr gute Einführung is dieses Thema….

„Seit der Antike gehört die detailgetreue Wiedergabe der Realität zu den zentralen Anliegen der Malerei. Kaum eine Kunstrichtung hat den Anspruch auf Wirklichkeitsnähe so radikal ins Zentrum ihres Schaffens gerückt wie der amerikanische Fotorealismus. Mit der Ausstellung Wettstreit mit der Wirklichkeit – 60 Jahre Fotorealismus widmet sich das Museum Frieder Burda einer der konsequentesten Bewegungen der gegenständlichen Malerei nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Stilrichtung, die sich ab Mitte der 1960er Jahre in den USA herausbildete, steht für eine Kunst, die den fotografischen Blick auf die Welt zum Ausgangspunkt nimmt – und diesen mit malerischen Mitteln auf illusionistische Weise reproduzier.t“ (Zitat/Auszug: Pressemitteilung des Museums Frieder Burda).

Fotos Gruppe vor und im Foyer Burda Museum, Vulkanbrunnen: remsgalerie GmbH

Am Ende dieses sonnigen Frühlingstages — auf dem Rückweg zum Bus— tat eine Abkühlung gut. Schon der Anblick des Vulkanbrunnens in der Lichtentaler Allee wirkte wohltuend.
Hinter uns lag ein Tag voller vielfältiger, teils gegensätzlicher Eindrücke: von der barocken Eleganz des Schlosses Favorite über die persönliche Kunstwelt Anselm Kiefers bis hin zum zeitgenössischen Fotorealismus. Auf sehr angenehme Weise hatten wir Kunstgenuss und badische Gastlichkeit miteinander verbunden.

Dieser Artikel wurde erstellt auf Basis verifizierter Quellen mit sprachlicher Unterstützung durch KI.