Am 24.10.2026 in Plochingen

Atelier-Besuch bei Manuela Tirler

Anlässlich ihrer kürzlich beendeten Werksschau im Kunstverein Aalen schrieb die Kunsthistorikerin Holle Nann, der Reiz der Skulpturen Manuela Tirlers liege in der Gegensätzlichkeit ihrer optischen Leichtigkeit und ihres visuellen Reizes einerseits, und der Schwere ihres Materials und dessen Herkunft andererseits.

Organisation: Ralf Köder
Fotos: Tom Becker

Leichtigkeit in Draht und Stahl

Tirlers Stahlplastiken finden sich an zahlreichen Orten in der näheren und weiteren Umgebung, so z.B. auf der Luitenbächer Höhe oberhalb von Großheppach oder aktuell auf der Landesgartenschau in Ellwangen. Auch in der aktuellen Ausstellung „Heavy Metal“ im Museum Ritter in Waldenbuch (bis einschl. 27.09.2026) ist sie neben Künstlern wie Günther Uecker oder Imi Knoebel vertreten.
Unser Besuch fand in zwei Lokalitäten statt: der erste Treffpunkt war der Showroom der Badausstellung Pfeiffer & May. Die Badausstellung fungiert somit nicht nur als Verkaufsraum für Armaturen und Keramik, sondern als Kreativ- und Designstudio, bei dem die Grenzen zwischen Handwerk, Innenarchitektur und bildender Kunst bewusst fließend gestaltet werden. Manuela Tirler zeigt hier ihre wichtigsten Werkgruppen. Der zweite Treffpunkt war dann das Künstleratelier selbst im Kulturpark Dettinger in Plochingens Stadtmitte.

Schon bei der Begrüßung begegnete uns Manuela Tirler als eine offene und zugewandte Künstlerin, die ihre Arbeiten mit spürbarer Freude und großer Anschaulichkeit vermittelt. Manuela Tirlers Stahlplastiken scheinen zu schweben. Ihre Formen erinnern an Pflanzen und andere Strukturen aus der Natur. Erst aus der Nähe wird sichtbar, wie viel Kraft und handwerkliches Geschick nötig sind, um dem widerständigen Material Stahl und Eisen eine solche Leichtigkeit zu verleihen. Durch Pressen und Verformen – teils mithilfe eines Baggers – entstehen kugelige Gebilde, die an locker gewickelte Wollknäuel erinnern. Schweißnähte und Verformungen bleiben dabei als Spuren des Entstehungsprozesses sichtbar.

Ralf Köder begrüsst die teilnehmenden Mitglieder und stellt die Künstlerin vor.

Manuela Tirler erklärt uns ihre Werkgruppe „hanging plants“

Das große Interesse der Gruppe zeigte sich auch in den zahlreichen Fragen

Impressionen im Schowroom

Die sogenannten „Quakes“ entstehen durch das Sprengen von Stahlplatten. Ihre aufgerissenen Oberflächen zeigen den brachialen Eingriff in das Material. Mit ihren Rissen und der rostigen Färbung erinnern sie an ausgetrocknete Erde.

Als Vorbild dient der Künstlerin die Natur. Ihr gelingt es, dem harten Werkstoff eine florale und erdige Anmutung zu geben. Auch die Oberflächen tragen wesentlich zum Charakter der Skulpturen bei: Manche bestehen aus rostendem Baustahl, andere werden so veredelt, dass sie abriebfest sind. Einige Arbeiten sind grau pulverbeschichtet, bei anderen bildet Cortenstahl eine natürliche Rostpatina.

Der Hightech-Stil der Gebäude von Pfeiffer und May bildet einen spannenden Kontrast zu den organischen Formen der Skulpturen im Außenbereich.