Die zweite Station unserer Tagesfahrt am 27.9.2025 war das Neue Schloß Kißlegg
Rückblick: Ausstellung Klaus Prior in Kißlegg
Unser Weg führt zum Neuen Schloss und zur Ausstellung von Klaus Prior „una lunga storia“ – eine lange Geschichte. Der Titel verweist auf das jahrzehntelange künstlerische Wirken des Künstlers und auch auf seinen 80. Geburtstag, den Klaus Prior im Jahr 2025 beging. Über viele Jahre hinweg unterhielt er ein Atelier in Kißlegg und entwickelte eine enge Verbindung zur Gemeinde.
1.Titelfoto: „Großer Kopf“ (2022) vor dem neuen Schloß in Kißlegg © Gemeinde Kißlegg
2.Titelfoto von Tom Becker: Blick in den Themenraum „Krieg und Tod“

Das Neue Schloss in Kißlegg ist ein prachtvoller Bau des Barock. Es wurde zwischen 1721 und 1727 als dreigeschossige Anlage vom Füssener Baumeister Johann Georg Fischer errichtet. Das Schloss zeichnet sich durch ein Rokokotreppenhaus, reiche Stuckaturen, historische Fresken und eine Schlosskapelle aus. (Foto: © Gemeinde Kißlegg)

(Foto: Tom Becker)

(Foto: Hansjörg Thomae)
Die Skulptur „Rote“ (2014) ist platziert im barocken Ambiente des Neuen Schlosses. Sie ist umgeben von 8 Sybillen, den Seherinnen der Antike. Dies ist ein gelungener Dialog zwischen Klassik und Moderne.
Die Werkschau


Andrea Dreher aus Ravensburg ist studierte Kunsthistorikerin und Romanistin sowie Galeristin und Kunstvermittlerin. Sie hat diese Ausstellung kuratiert und den Ausstellungskatalog redaktionell betreut.
Mit viel Hintergrundwissen und Engagement hat sie uns durch die Austellung geführt und begeistert. Sie schreibt im Ausstellungskatalog:
„Ich kenne Klaus Prior zwar erst seit einem guten Jahrzehnt, habe aber als italophile Deutsche schnell einen sehr persönlichen und vertrauten Zugang zu ihm gefunden. Dass ich auf Wunsch des Künstlers die Ausstellung in Schloß Kißlegg kuratieren darf, ist mir eine Ehre und Freude zugleich. Der Titel „Una lunga storia“, Klaus Prior zum 80sten, hat sich in den vielen Gesprächen und im regelmäßigen Austausch mit dem Künstler bald herauskristallisiert. Er lebt zu lange in Lugano, um dort „nur der Deutsche“ zu sein, Italienisch ist seine Alltagssprache, und das Leben im Tessin prägt längst sein Lebensgefühl.“
(Fotos Führung: Tom Becker, Portrait des Künstler © Klaus Prior)


Frau Dreher versteht es, unsere Gruppe zu begeistern (Foto: Tom Becker)
Im Raum „Berührung – Umschlungen“ sind weiß gefasste Skulpturen von Paaren zu sehen. In einigen Fällen bleibt offen, ob die dargestellten Gesten Zuneigung ausdrücken oder auf eine Auseinandersetzung hindeuten. Beim Bild mit dem Blick durch die Türe ist im Vordergrund links das Gemälde „sisifo felice“, 2023 – Der glückliche Sisyphos zu sehen. (Fotos: Tom Becker)
Der 1945 in Wesel am Niederrhein geborene Künstler verließ Deutschland bereits in jungen Jahren und fand in der Schweiz seine neue Heimat. Nach dem Studium der Malerei an der Kunstgewerbeschule St. Gallen ließ er sich 1970 als freischaffender Künstler im Tessin nieder. Heute lebt und arbeitet Klaus Prior in Lugano. Über viele Jahre hinweg unterhielt er zudem ein Atelier in Kißlegg und entwickelte eine enge Verbindung zur Gemeinde. Über diese besondere heimatliche Beziehung sagt er selbst: „Ich kam als vaterlandsloser Geselle nach Kißlegg und wurde dort wohlwollend aufgenommen.“
Anlässlich dieses Jubiläums widmet Kißlegg dem Künstler im Sommer 2025 eine Einzelausstellung im Schloss. Gezeigt wird eine sorgfältig zusammengestellte Auswahl bedeutender Werke aus öffentlichen und privaten Sammlungen, ergänzt durch neue Arbeiten sowie selten gezeigte Positionen.Ergänzt wird die Ausstellung durch Skulpturen im Außenraum, die auch außerhalb des Schlosses neue Begegnungen mit der Kunst Klaus Priors ermöglichen.

Im Raum „Bewegung – Movimento“ zieht die schwarz gefasste Figurengruppe „Veitstanz“ sofort die Aufmerksamkeit auf sich. (Foto: Tom Becker)
Im Raum „Krieg und Tod“ richtet sich der Blick auf die düsteren Aspekte menschlicher Existenz. Die großformatigen Ölgemälde im Hintergrund sind intensiv farbig gestaltet. Auch die Bildthemen spiegeln diese Schwere wider: Werke wie „Wohltätig ist des Feuers Macht“, „Höllensturz“ oder „Dies Irae“ („Tag des Zorns“) greifen das bekannte Motiv aus der Totenmesse auf. Passend dazu erklingt aus dem Hintergrund Mozarts „Dies Irae“ aus dem Requiem. Auf dem Boden schlängeln sich schwarz bemalte Figuren, die den Titel „Veteranen“ tragen.
(Fotos: Tom Becker)





Priors Kunst ist ein wichtiges Beispiel expressiver, moderner Figuration. Seine Arbeiten repräsentieren eine starke, eigenständige Position innerhalb der zeitgenössischen Kunst. Mit kraftvollen, expressiven Formen steht Prior in einer Linie mit Künstlern wie Georg Baselitz oder A. R. Penck. Seine Werke entstehen ohne vorhergehende Skizze; sie drücken rohe, intuitive Empfindungen aus. Die Kettensäge wurde Priors dritte, starke Hand.
Im letzten Bild liegt der Fokus auf dem Gussprozess von Skulpturen. Klaus Prior begann schließlich damit, seine mit der Kettensäge aus Holz herausgearbeiteten Plastiken in Eisen und teilweise auch in andere Metalle zu übertragen. Das Verfahren wird anschaulich erklärt, und es werden einige Vergleiche zwischen den hölzernen Originalen und den daraus entstandenen Metallabgüssen präsentiert.
(Fotos: Tom Becker)
Die Kettensäge



Bei den Skulpturen ist die Kettensäge das zentrale Werkzeug, mit dem Klaus Prior die Formen direkt aus den Baumstämmen herausschneidet. Dieses Verfahren erzwingt eine starke Reduktion der Formen und hinterlässt gleichzeitig die charakteristischen Spuren auf der Holzoberfläche. Genau diese Markierungen sind Ausdruck seines künstlerischen Anliegens: den Menschen in seiner Verletzlichkeit und Gefährdung zu zeigen. Deshalb wirken seine Figuren oft beschädigt oder verwundet, häufig fehlen ihnen beispielsweise die Arme. Diese Versehrtheit spiegelt sich nicht selten auch in den Titeln der Werke wider, etwa in Stücken wie „Torso“ oder „Einbeiner“. (Alle Fotos mit Kettensäge: © Klaus Prior)

Hier ist eine Empfehlung für Interessierte, die sich in einem 25-minütigen Film eingehender mit dem Künstlerporträt befassen möchten: Mit diesem Klick kommen Sie auf youtube und akzeptieren dementsprechende Datenschutzbedingungen.
Wir danken Herrn Prior für die freundliche Genehmigung zur Abbildung und Veröffentlichung seiner Werke sowie für die zur Verfügung gestellten Fotografien der Arbeiten mit der Kettensäge.





