Die erste Station unserer Tagesreise nach Bad Schussenried und Kißlegg am 27.9.2025
Rückblick: Besuch der Ausstellung Bauernkrieg
Unsere ehemalige Galerieleiterin Dr. Ingrid-Sibylle Hoffmann ist aktuell Kuratorin für das Mittelalter im Landesmuseum Stuttgart. Sie hat uns eingeladen, ihre Ausstellung „UFFRUR! Utopie und Widerstand im Bauernkrieg 1524/25“ im Kloster Schussenried zu besuchen. Die Ausstellung fand vom 26. April bis 5. Oktober 2025 statt. Das Kloster Schussenried ist einer von mehreren historischen Standorten in Baden-Württemberg, die für große Landesausstellungen genutzt werden.
Titelfoto1: „UFFRUR!“: Herkunft/Rechte beim Landesmuseum Württemberg, Jonathan Leliveldt, Mark Damian
Titelfoto2: Zuschauerinnen vor den KI-generierten Akteuren des Bauernaufstands (Foto: Tom Becker)

Das Kloster Schussenried in Oberschwaben – befand sich damals selbst inmitten der Ereignisse. Am 29. März 1525 wurde das Kloster von Bäuer*innen geplündert und verwüstet. (Bild Herkunft/Rechte: Stadt Bad Schussenried, Ingo Rack.)
Die Kuratorin Dr. Ingrid-Sibylle Hoffmann führte uns durch die Ausstellung. (Fotos im Slider: Tom Becker)
UFFRUR!

Dieses Thema bildete am 27. September 2025 den zentralen Programmpunkt unserer Tagesreise. Dr. Ingrid-Sibylle Hoffmann, die unsere Gruppe im Bus begleitete, führte uns bereits während der Anfahrt in die Ausstellung ein und erläuterte deren Inhalte, Bedeutung und Gestaltung.
In der Ausstellung wird an den großen Bauernkrieg in Südwestdeutschland erinnert, der vor 500 Jahren auch Oberschwaben erfasste. Sie fokussiert auf die Geschehnisse der Jahre 1524 und 1525 und thematisiert vor allem die Frage nach dem „Warum“.
Es wird dokumentiert, dass es den Menschen nicht in erster Linie um die Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen ging, sondern letztendlich um ihre Freiheit. Sie rebellierten gegen hohe Abgaben, ihre Abhängigkeiten und die Ungerechtigkeit. Verschiedenste Ausstellungsstücke veranschaulichen die damalige Zeit und mithilfe von Originalobjekten und zeitgenössischen Schriften werden die Forderungen der Menschen belegt.
Durch den Einsatz moderner Technik – wie Text- und Bildeinspielungen und KI-gestützter fiktiver Figuren, die als nachgestellte Zeitzeugen ihre Sicht der Ereignisse schildern – macht die Schau deutlich, wie eng Fragen nach Freiheit, Gerechtigkeit und Mitbestimmung mit unserer Gegenwart verbunden sind. Die Frage danach, wie damals Konflikte gelöst wurden und welche Vorstellungen von Gerechtigkeit bis in unsere Tage weiter gelten, sind sehr aktuelle Themen. So trägt die Ausstellung an, über aktuelle Protestbewegungen, soziale Gerechtigkeit und Teilhabe in unserer Zeit nachzudenken. (Text: Juliane Sonntag)
Um eine Vorstellung der Austellung durch die KuratorInnen auf Regio TV zu sehen, klicken Sie hier

Auf die KI-Figuren reagieren die Besuchenden ganz unterschiedlich. Unsere Teilnehmer empfanden den Ansatz, Geschichte über sprechende Figuren anschaulich zu vermitteln, durchaus sehr hilfreich und spannend. (Foto: Tom Becker)

Das kuratorische Team der »Uffrur«-Ausstellung sichtet Exponate: Marco Veronesi (li.), Ingrid-Sibylle Hoffmann (Mi.) und Marian Elsenheimer.
© Landesmuseum Württemberg/Jonathan Leliveldt

Karte des Oberen Donautals von Phillip Renlin, Ulm, 1589, Aquarellzeichnung auf Papier. (Foto: Tom Becker)
Die Karte lässt neben der territorialen Zersplitterung mit ihren zahlreichen Herrschaften auch die Gestalt der Dörfer in dieser Zeit erkennen. Zu sehen sind auch Szenen aus dem bäuerlichen Leben. (Quelle: Zitat der Pressemitteilung des Landesmuseums, Karte: Herkunft/Rechte: Landesmuseum Württemberg, Jonathan Leliveldt, Alexander Lohmann)
Die KI-Figuren (Auswahl)

Götz von Berlichingen, einer der acht mit KI generierten Protagonist*innen des Bauernkriegs, die in der Ausstellung auftreten. Der Ritter vom alten Schlag – kampflustig und den alten ritterlichen Tugenden verbunden – übernahm das Kommando über einen Bauernhaufen und belagerte die Festung des Würzburger Bischofs. Über seine Motive hielt er sich bedeckt.
Quelle: Zitat der Pressemitteilung des Landesmuseums
Bild Herkunft/Rechte: Landesmuseum Württemberg, jangled nerves, KI-generiert mit Stable Diffusion, KI-Bild (Public Domain Mark 1.0)

Die Figur Magdalena Scherer ist inspiriert von der Abbildung einer Handwerkerin um 1525: Dieses Bild sowie die abgebildete Mode passt gut zur städtischen Herkunft der Figur Magdalena Scherer und beeinflusste auch die Farbgebung der Kleidung. Ein modernes Tattoo am Hals ergänzt die rebellische Ausstrahlung.
Quelle: Zitat der Pressemitteilung/Website des Landesmuseums
Bild Herkunft/Rechte: Landesmuseum Württemberg, jangled nerves, KI-generiert mit Stable Diffusion, KI-Bild (Public Domain Mark 1.0)

Sebastian Lotzer, einer der acht mit KI generierten Protagonist*innen des Bauernkriegs, die in der Ausstellung auftreten. Lotzer spielte bei der Zusammenstellung der „12 Artikel” eine zentrale Rolle. Als bibelkundiger Laienprediger und Autor engagierte er sich für die Reformation und brachte im Rahmen der Memminger Versammlung die Forderungen der Bauern auf den Punkt.
Quelle: Zitat der Pressemitteilung des Landesmuseums
Bild Herkunft/Rechte: Landesmuseum Württemberg, jangled nerves, KI-generiert mit Stable Diffusion, KI-Bild (Public Domain Mark 1.0

Margarete Renner, ebenso eine der acht mit KI generierten Protagonist*innen des Bauernkriegs, die in der Ausstellung auftreten. Schon vor dem Baurnkrieg hatte sich die Witwe aus Böckingen bei Heilbronn gegen als ungerecht empfundene Zahlungen aufgelehnt. 1525 begleitete sie den „Neckartaler Haufen” als Ratgeberin. Zeitgenössische Quellen berichten über ihre Teilnahme an Plünderungen und an der „Weinsberger Bluttat”.
Quelle: Zitat der Pressemitteilung des Landesmuseums
Bild Herkunft/Rechte: Landesmuseum Württemberg, jangled nerves, KI-generiert mit Stable Diffusion, KI-Bild (Public Domain Mark 1.0)

Interessantes Voting der Besucher für ihre Held*Innen des Bauernkrieges: Magdalena Scherer und Margarete Renner haben grossen Eindruck hinterlassen.
(Foto: Tom Becker)

Links zu sehen ist ein nicht KI-generierter Protagonist in Gestalt eines namenlosen Bauern. Herbert Knaup verkörpert ihn grandios. Er reflektiert die Motive, den Aufruhr und das Schicksal der aufständischen Landbevölkerung. Er tritt dabei als Stellvertreter für die vielen Unbekannten auf, die im Bauernkrieg für Freiheit und Gerechtigkeit kämpften. Knaups Rolle gibt Antworten auf „Wer waren diese Menschen?“, „Wofür brannten sie?“ und „War es den Preis wert?“. Die Darstellung betont die menschliche Seite des historischen Aufruhrs und macht die Anliegen der Bauern sehr greifbar.
Der namenlose Bauer auf youtube – mit Klicken werden Sie weitergeleitet und akzeptieren die Datenschutzbestimmungen von youtube.
Bild und Video – Herkunft/Rechte: Landesmuseum Württemberg, Jonathan Leliveldt, Mark Damian
Ein Ort mit vielen Leben: Kloster Schussenried

Kloster Schussenried (Foto: Achim Mende – Pressebild)
Was heute Besucher aus ganz unterschiedlichen Gründen nach Schussenried zieht, begann im Jahr 1183 mit einer Entscheidung zweier Brüder. Konrad und Beringer von Schussenried überließen ihren Gutshof samt Kirche dem Prämonstratenserorden – und legten damit den Grundstein für ein Kloster, das bald vom Kaiser und vom Papst bestätigt wurde.
Die Klosterkirche, deren älteste Teile bis heute erhalten sind, war um 1230 vollendet. Zunächst der Gottesmutter Maria geweiht, kam später der heilige Magnus von Füssen als Schutzpatron hinzu. Als der Propst 1440 zum Abt erhoben wurde, war klar: Schussenried war nun eine selbstständige Abtei – und bald sogar direkt dem Kaiser unterstellt.
Mit der Zeit wandelte sich auch das Aussehen der Anlage. Um 1500 hielt die Gotik Einzug, auf das 17. und 18. Jahrhundert folgte der Barock. Besonders prächtig wurde es ab 1750 mit dem Neubau des Klosters und der berühmten Bibliothek – ein Raum, der bis heute staunen lässt.
Doch das klösterliche Leben endete abrupt: 1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisierung aufgelöst. Die Kirche wurde Pfarrkirche, Kunstschätze verkauft oder verstreut. Wenige Jahre später ging die Anlage an das Königreich Württemberg über.
Ab 1875 begann ein ganz neues Kapitel: In den Klostergebäuden entstand eine Heil- und Pflegeanstalt. Einer ihrer bekanntesten Bewohner war Gustav Mesmer, der „Ikarus vom Lautertal“. Heute ist Kloster Schussenried ein lebendiger Kulturort. Die barocken Gebäude beherbergen das Neue Museum Kloster Schussenried mit Ausstellungen zur Klostergeschichte und zur Psychiatriegeschichte. Höhepunkt jedes Besuchs ist der lichtdurchflutete Rokoko-Bibliothekssaal – mit seinem überwältigenden Fresko über die göttliche Weisheit und seinen eindrucksvollen Figuren.
Ein Ort, der zeigt, wie viele Geschichten ein einziges Kloster erzählen kann.
Bestandteil des Museums ist der lichtdurchflutete zweigeschossige Rokoko-Bibliothekssaal. Er gilt als spektakulärster Teil der Klostergebäude. Das Ausstattungsprogramm gehörte zu den reichsten und ausführlichsten im 18. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum. Das Deckenfresko zeigt in einer fast verwirrender Fülle das Wirken der göttlichen Weisheit.
(Fotos im Slider: Tom Becker)
Die Veröffentlichung dieser Bilder dient nicht kommerziellen Zwecken, und ist genehmigt nach Rücksprache mit dem Staatsanzeiger für Baden Württemberg GmbH & Co. KG (zuständige Pressestelle).









